~Dead Destiny~

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 ~Friedhof~

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BeitragThema: ~Friedhof~   Sa Jun 23, 2012 2:08 am

(Der Friedhof außerhalb der Stadt)

Come from: Ravens Wohnung

Auf dem Friedhof angekommen sah ich mich kurz um. Jedes Mal, wenn ich durch das große, schwarze Eisentor ging, fühlte ich mich, als würde ich eine neue Welt auf Verzweiflung, Sehnsucht und Trauer betreten. Langsam ging ich zwischen den Grabsteinen umher, der Regen störte mich nicht. Außer mir konnte ich hier niemanden entdecken. Ganz gut eigentlich. Bis ich das richtige Grab gefunden hatte, dauerte es nicht allzu lange und ich legte ein paar Blumen, die ich zuvor noch gekauft hatte, auf der nassen Erde unter dem Steinengel ab, der auf dem Grabstein stand.
Auf dem Grabstein stand: Zero Black. 1998 - 2013. The rain will be gone in the morning. But I'll still be here in the morning
"Hi Zero", murmelte ich und lächelte traurig, während ich mich vor das Grab setzte. Die Nässe störte mich nicht, ich sah einfach traurig auf das Grab meines kleinen Bruders und lächelte traurig.
Eine Weile verging, in der ich dort auf dem Boden saß und redete. Über alles. Wie ich mich fühlte, wie es unseren Schwestern ging, was mit Dad war und so weiter. Irgendwann stand ich dann auf und ging los zurück zum Friedhofs Tor, durch welches ich diesen Ort verließ und dann wieder in mein Auto stieg. Der Rückweg kam mir...ein wenig befreiter vor. Dennoch war es sicher alles andere, als ein angenehmes Gefühl, dass ich hatte.

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BeitragThema: Re: ~Friedhof~   Di Apr 30, 2013 10:58 am

(From: Rens und Kaitos Wohnung)

Seit gut einer halben Stunde saß ich nun schon vor dem Grabstein meines Bruders im Schnee. Ich hatte keinen anderen Ort gewusst, wo ich hin sollte. Meine Wohnung hatte ich verkauft, Desmond wollte ich nicht stören, allein schon, weil die Carter da ja auch rumhing und bei den Revanchers in meinem Büro hatte ich es nicht lange ausgehalten. Es war zwar warm in meinem Büro gewesen, da man zwar nicht die große Lagerhalle aber wenigstens die kleinen Räume hintendran beheizen konnte, aber letztendlich war ich da allein gewesen, allein mit meinen Gedanken. Hier war ich das auch, keine Frage, aber ich hatte ein kindliches Verlangen danach verspürt, bei meinem großen Bruder zu sein, hier fühlte ich mich weniger allein und früher war es so gewesen, dass er, wenn ich ihn brauchte bei mir gewesen war und mir zugehört hatte. Selbst wenn ich jetzt nur mit seinem Grabstein redete, merkte ich, dass mir das deutlich gut tat, auch wenn es nichts an meiner Situation besser machte.
Langsam kroch mir die Kälte allerdings in die Knochen und die Zigarettenstummel neben mir in Schnee ausgedrückt, als auch Schnee auf meiner Kapuze, die ich vergeblich aufgesetzt hatte, damit meine schwarzen Haare nicht total nass wurden, sammelten sich in geraumer Menge. Ich schüttelte meinen Kopf, um den Schnee loszuwerden und stand etwas steif auf, ich hatte wohl doch zu lange hier gesessen. "Danke, dass du mir zugehört hast, Großer, auch wenn du keine andere Wahl hast", seufzte ich heiser und klopfte auf den Grabstein. Darauf war eine große Dreizehn eingraviert. Desmond und ich waren der Meinung, dass das besser als ein Grabspruch passte und das meinem Bruder auch lieber gewesen wäre, auch wenn meine Mutter nicht sonderlich begeistert davon gewesen war.
Mit den Händen in den Taschen machte ich mich auf den Weg zurück zu meinem Motorrad.
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BeitragThema: Re: ~Friedhof~   Di Apr 30, 2013 11:51 pm

Es war eine Weile her, dass ich auf dem Friedhof gewesen war. Meine Eltern waren hier nicht begraben, aber dafür Matt und Sienna. Es war ein Grab, man hatte sie zusammen beerdigt und das schien mir sehr passend. Nun, mehr oder weniger, denn eigentlich war Sienna's Grab leer. Wir wussten nicht, was mit ihr geschehen war. Aber, wenn man mal von ihrem geistigen Zustand ausging, als wir sie das letzte Mal gesehen hatten, war es nur logisch anzunehmen, dass sie tot war. Ich seufzte leicht. Es war nicht schön vor dem Grab meiner Paten zu knien und nicht zu wissen, was nun wirklich mit Sienna war. Wenn sie noch lebte, dann musste es ihr schlecht gehen. Sie und Matt waren diese Art von Paar gewesen, die falsch und unnütz, verloren und unzufrieden ohne ihren Partner waren. Irgendwann hatten sie sich gefunden und seitdem ihr Leben gemeinsam verbracht. Sie hätten auch zusammen sterben sollen. Keiner von ihnen konnte schließlich leben, wenn der andere es nicht tat. War das so, wenn man mit der Liebe seines Lebens wirklich zusammen sein konnte? Ich konnte das nicht beurteilen, die Chance hatte Thirteen uns nie gegeben. Nicht wirklich jedenfalls. Unwillkürlich legte ich eine Hand an meine Schulter. Auf dem Schulterblatt darunter waren diese Narben und es kam mir immer vor, als würden sie über solchen Gedanken besonders brennen. Nicht oft erlaubte ich es mir, um ihn zu weinen oder darum, dass er aus meinem Leben getreten war und mich kalt und zerbrochen zurück gelassen hatte, nein, aber hier, auf einem Friedhof, war weinen so selbstverständlich, dass ich es diesmal tat. Wie so oft, wenn ich weinte, tat ich es nicht nur über eine Sache, sondern über viel mehr. Über den Tod meiner Eltern, meiner Paten, wegen Thirteen, weil ich Fallen schrecklich vermisste, es kam einfach alles zusammen und so dauerte es eine Weile, bis ich mich wieder im Griff hatte. Schließlich stand ich auf, wischte die restlichen Tränen weg und sah in den Himmel. Noch immer fiel Schnee aus dunklen, grauen Wolken. Ich seufzte. Der zweite Dezember. Die Vorweihnachtszeit hatte begonnen und DNC würde sich dem bald anpassen. Wie in jeder Großstadt wurde auch hier ein ziemlicher Trubel um Weihnachten gemacht. Ich hatte nichts an diesem Fest. Es war mir egal. Schließlich ging ich ein Stück auf dem leeren Friedhofsweg an einigen Gräbern vorbei, die stumm und verlassen da lagen, manchmal stachen die matten Farben verwelkter Blumen aus dem Weiß des Schnees heraus, doch sonst war da nichts, was meine Aufmerksamkeit erregte. Nun, bis ich ihn bemerkte. Ich hob eine Augenbraue und beschleunigte meine Schritte etwas, bis ich neben Kaito ging. "Was machst du denn hier?", fragte ich ruhig, sah ihn allerdings nicht an. Außerdem hielt ich mich nicht mit Begrüßungen auf. Wozu? Wir waren immerhin keine Freunde. Er war der Freund meines Bruders und das hatte ich akzeptiert, einfach weil er es damals wohl auch wohl oder übel akzeptiert hatte, dass ich mit seinem Bruder zusammen gewesen war. Ansonsten war er Mitglied der Revanchers und das war Grund genug für mich, mich nicht weiter mit Höflichkeiten aufzuhalten. Doch soweit ich wusste, lebten seine Eltern noch und zum Rest der Familie bestand kaum Kontakt. Wen sollte er auf dem Friedhof besuchen?

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BeitragThema: Re: ~Friedhof~   Mi Mai 01, 2013 1:53 am

Ich starrte die ganze Zeit zu Boden deswegen bemerkte ich nicht, dass ich nicht allein auf dem Friedhof war und sah erst auf, als Near schon neben mir ging. "Asukai.", begrüßte ich ihn mit einem Nicken. Rens Zwillingsbruder war wirklich einer der letzten Menschen, die ich gerade sehen wollte. Ich brauchte nur Near anzusehen und fühlte mich schuldig. War auch einer der Gründe weswegen ich ihn nicht direkt ansah. "Stimmt, du weißt ja noch gar nichts davon....", erinnerte ich mich dann. Niemand hatte Crow erzählt, dass mein Bruder tot war. Schon seltsam, immerhin waren beiden ja einige Zeit lang ein Paar. Allerdings hatte ich seine Handynummer oder ähnliches gehabt und wusste auch nicht, ob ich Ren davon erzählen sollte, dass unsere Brüder etwas miteinander gehabt hatten. "Ich hab' ehrlich gesagt keine Ahnung, wie ich dir das sagen soll...", stotterte ich und kratze mich am Nacken. "Am besten kommst du mit", endete ich mit einem Seufzten und machte mich wieder mit den Händen in den Taschen zurück zum Grab meines Bruder.
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BeitragThema: Re: ~Friedhof~   Mi Mai 01, 2013 3:03 am

Ich zog die Augenbrauen so weit hoch, wie es mir gerade möglich war. Was..zur... Es brachte wohl nichts, hier stehen zu bleiben und weiter rumzurätseln, also folgte ich ihm. Eine leise Vorahnung kroch in mir hoch, doch ich konnte und wollte das erstmal nicht glauben. Ich musste mich an die Hoffnung klammern, dass ich einfach nur mal wieder den Teufel an die Wand malte. Nichts weiter. Trotzdem, ein gutes Gefühl hatte ich bei der Sache sicher nicht. Vor allem, da er gerade so rumgestottert hatte. Ein Teil von mir hatte es wohl schon erwartet, aber dennoch traf mich die Inschrift auf diesem Grab. Ich lächelte traurig und ließ mich auf die Knie sinken. Warum er? Es könnte in dieser Stadt jeden anderen erwischen und es musste gerade Thirteen sein? Warum der Mann, den ich über alles liebte? Das war doch nicht fair. Dieses scheiß Leben war doch einfach nicht fair. Okay, ich hatte nie erwartet, dass es das sein würde, aber...das war zu viel für mich. Eigentlich wollte ich es nicht, ich wollte nicht die Beherrschung verlieren und mein Stolz verbot mir, vor Kaito zu weinen, aber ich konnte nicht anders. Ich konnte die Tränen nicht zurück halten, nicht jetzt. Es kam mir eigentlich vor, als hätte ich zuvor schon all meine Tränen geweint, doch diese Situation bewies mir, dass es nicht so war. Wie immer weinte ich stumm. Nur die Tränen auf meinen Wangen und ein leichtes Zittern bewiesen, dass ich es wirklich tat. "Arschloch..macht dir das eigentlich Spaß, mich alleine zu lassen?", flüsterte ich kaum hörbar und blickte dabei die ganze Zeit auf den Grabstein. Ich liebte ihn doch...warum musste ich eigentlich jeden verlieren, der mir wichtig war? Und warum ihn? Ich verstand es immer noch nicht wirklich, dass ein Mensch wie Thirteen wirklich tot war. Noch immer konnte ich nicht aufhören zu weinen. Verdammt. Es tat so weh zu wissen, dass ich ihn für immer verloren hatte. Dass es nicht eine, noch so kleine Möglichkeit gab, ihn wieder zu sehen, mit ihm zu sprechen oder....Alles in mir sträubte sich dagegen, weiter vor dem Schwarzhaarigen zu weinen, aber ich konnte nicht aufhören. Dieser Schmerz zerriss mich fast.

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BeitragThema: Re: ~Friedhof~   Mi Mai 01, 2013 4:18 am

Es war ja klar, dass Crow nicht besonders begeistert davon war, dass Fye tot war, aber dass ihn das seinen Stolz vergessen ließ und er vor meinen Augen anfing zu weinen, überraschte mich doch sehr. Ich seufzte, kniete mich neben Near in den Schnee und legte ihm einen Arm um die Schultern. Ich kannte ihn nicht besonders gut, aber immer hin war er der Bruder meines Freundes -oder als war auch immer ich Ren jetzt bezeichnen sollte, die Bezeichnung Exfreund wäre wohl passender- und irgendwie wollte ich ihn nicht weinen sehen. "Weißt du, ich bezweifle, dass er das wollte. Und selbst wenn, willst du ihm echt die Genugtuung lassen, dich weinen zu sehen?", sagte ich. Ich war kein besonders guter Tröster, das merkte ich bei Ren immer wieder. Vorallem klang das alles furchtbar heuchlerisch, da ich mir selbst die Augen aus dem Kopf geheult hatte.
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BeitragThema: Re: ~Friedhof~   Mi Mai 01, 2013 9:24 am

Ich wusste nicht wieso, aber es tat gut, dass er mich in den Arm nahm und ich lehnte ich mich leicht an ihn, auch wenn das allem widersprach, was auch nur annähernd mit meinem Stolz zutun hatte. Es tat mir gut und ich verfluchte mich dafür, doch langsam bekam ich mich wieder unter Kontrolle und stand auf, bevor ich einen Schritt zurück tat und den Kopf senkte, als ich auf den Boden blickte. Ich brachte ein "Danke, Kodora", heraus, doch zu mehr fühlte ich mich gerade nicht in der Lage. Ich wollte nicht sprechen, ich wollte Thirteen ein paar Momente meines Schweigens schenken, in denen ich nur an ihn dachte. An alles, was wir hatten, an alles, was jetzt endgültig verloren war und einfach nur an ihn als Person. Wie er geredet hatte, wie er gelacht hatte und auch geschrien. Es war fast, als würde ich jeden Schlag, jeden Schnitt noch einmal auf meinem Körper spüren, doch das ließ ich stumm über mich ergehen und vielleicht wünschte ich mir einiges davon zurück. Oder nein, nicht davon, einfach ihn. Ihn an meiner Seite. Ich wusste, dass das Fallen gegenüber unfair war, aber ich liebte ihn einfach, ich konnte nicht anders. Sie liebte ich doch auch. Aber das war anders. Nicht weniger ehrlich oder dergleichen, einfach anders... Thirteen war eben...die Liebe meines Lebens? So etwas in der Art. Ich seufzte leicht. "Wie geht's eigentlich Ren?", fragte ich schließlich, weil ich es nicht mehr aushielt, hier zu stehen und nichts zu sagen und über ihn nachzudenken.

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BeitragThema: Re: ~Friedhof~   Sa Mai 04, 2013 6:04 am

Ich stand auf und nickte nur. Eines musste man Rens Bruder lassen. Er war, wenn man selbst nicht sonderlich emotional war oder viel redete, an sich eine angenehme Person. Er hatte schon Recht, als er gesagt hatte, dass Near und ich uns recht ähnlich waren. Eigentlich wollte ich nicht weiter über ihn nachdenken, da es zu schmerzhaft war, aber der Weißhaarige durchkreuzte meine Pläne und fragte nach dem Befinden seines Bruders. Ich verzog das Gesicht. Ich sollte Near nicht sagen, dass ich seinen Bruder verletzt hatte. Ich konnte nicht gebrauchen, dass er noch etwas dazu sagte oder sonstiges, die Schuldgefühle fraßen mich sowieso schon auf. Außerdem hatte ich ihm nicht versprochen seinem Bruder weder seelisch noch körperlich wehzutun? In der Hinsicht hatte ich wohl auf ganzer Linie versagt. Ich war wirklich der furchtbarste Freund, den man sich vorstellen konnte. Ich hatte mir vorgenommen, mich für Ren zu ändern, aber ich hatte es nicht mal geschafft, genügend Zeit für ihn zu haben. Ich konnte es wirklich gut verstehen, wenn er mich nie wieder sehen wollte. "Ich hoffe es geht ihm jetzt besser ohne mich", seufzte nur als Antwort und sah an Near vorbei in den Himmel, um zu verdecken, wie sehr mich das traf, diese Worte auszusprechen und so zu tun, als wäre mir das gleichgültig.
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BeitragThema: Re: ~Friedhof~   So Mai 05, 2013 12:34 am

Erneut an diesem Tag zog ich eine Augenbraue hoch. Wie konnte er das nur sagen, so eine unglaubliche Dummheit, und dabei so gleichgültig wirken? Ich seufzte und schüttelte den Kopf. "Hattest du mir nicht etwas versprochen, Kodora?", fragte ich ruhig, bevor ich die Arme verschränkte und ihn abschätzig ansah. Ich sollte wohl wütend sein. Es ging um meinen Bruder und so, wie ich ihn einschätzte, war Ren am Boden zerstört. Ich sollte enttäuscht von Kaito sein, aber ich war es nicht, weil ich nie viel von ihm erwartet hatte. Ich hatte nur gehofft, es würde nicht so schnell zerbrechen. Für Ren. Im Gegensatz zu meinem Bruder glaubte ich nicht an das Gute in jedem Menschen. Einfach, weil ich mich selbst kannte und weil ich wusste, wie es in mir aussah. Es war dunkel und kalt und voller Pläne, die an den Wahnsinn grenzten. Wenn es nichts gutes in mir gab, dann war es schon mal ausgeschlossen, dass es das bei wirklich jedem Menschen gab. Generell vertraute ich der Menschheit nicht mehr. Ich hatte es getan, ja, und war schrecklich enttäuscht worden. Seitdem betrachtete ich alles mit Misstrauen. Und so war das auch mit ihrer Beziehung gewesen. Es war, als hätte ich immer gewusst, dass er ihm weh tun würde, weil er so anders als sein Bruder nicht sein konnte. Dieses Versprechen, das hatte ich wohl nur gebraucht, um mich selbst ein wenig zu beruhigen. Und wozu hatte das geführt? Er hatte es nicht einhalten können. Das war klar gewesen. Von Anfang an. Dennoch war es unglaublich, was für einen Mist er da gerade von sich gab. Darüber konnte man wirklich nur den Kopf schütteln. Tatsächlich war ich beinah belustigt darüber, dass er anscheinend nicht weiter denken konnte. Ren und ich hatten einige Unterschiede, klar, aber in einer Sache waren wir uns verdammt ähnlich. Wenn wir jemanden liebten, dann taten wir es mit vollem Herzen, mit unserem Leben. Ganz einfach. Und eben deshalb war Verzeihen etwas, das wir, zumindest bei den für uns wichtigsten Menschen, ohne zu zögern tun konnten. Egal, was Kaito getan hatte, Ren konnte dafür nicht aufhören, ihn zu lieben, ihn zu brauchen. Das war mir ganz klar. Aber er braucht dich. Jetzt. Nicht mich, ich kann ihm nicht helfen und auch nicht irgendwen sonst. Nur dich, dachte ich und sah ihn noch immer an. Schließlich ging ich los, blieb neben ihm noch einmal stehen und legte eine Hand auf seinen Oberarm, ehe ich ihn ansah und leicht lächelte. "Ich hätte deinem Bruder alles verziehen. Denk mal drüber nach", meinte ich und lief dann weiter, ohne mich noch einmal umzudrehen. Kalter Wind schlug mir entgegen und wirbelte Schnee vom Boden auf. Ob er verstand, was ich gemeint hatte? Dass Ren mir in dieser Hinsicht unglaublich ähnlich war. Es war nicht meine Art, solche Dinge genau zu sagen. Ich konnte ihm nicht sagen, er sollte gefälligst seinen Arsch zu meinem Bruder bewegen und für ihn da sein, weil Ren Kaito mehr als alles andere brauchte und liebte. Da musste er schon selbst drauf kommen. Nur dann war es ehrlich. Zumindest sah ich das so. Alles, was ich tun konnte, war ein leichter Wink in die richtige Richtung. Begreifen musste er das allein.

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BeitragThema: Re: ~Friedhof~   So Jan 24, 2016 12:44 pm

Wenn man in DNC lebte, gewöhnte man sich irgendwann daran, dass es immer nach Regen aussah. Heute war es nicht anders und ich fragte mich schon nach dem ersten Schritt vor die Haustür, ob ich das wirklich wollte. Meine neue Villa war eingerichtet und das sogar sehr gemütlich. Ein paar von den alten Möbeln, vor allem Matts alte Bücherregale, hatte ich mitgenommen, aber einiges hatte ich auch neu gekauft. So kam es, dass die Villa an sich in meinen Augen nun ein wenig heimischer aussah. Altmodischer, was auch gut zur Facette des alten Herrenhauses passte. Irgendwie war es...gemütlicher. Es sah mehr nach einem Zuhause für mich aus und nicht nach „so könnte Ihre High Class Villa aussehen.“ Zu Matts Verteidigung musste man sagen, dass das eher meine Schuld gewesen war, denn ich war es, der sie so sauber und ordentlich, so unpersönlich gehalten hatte. Als sie noch ihm gehörte, sah sie nie so aus. Aber ich hatte mir vorgenommen, das bei meinem neuen Haus besser zu machen. So fand man inzwischen tatsächlich Bilder und Fotos an den Wänden, die Deko war deutlich persönlicher und nicht von einem Innenarchitekten designt, auch wenn es noch immer sehr stilvoll sah. Man erkannte mich in jedem Detail. Naja, zumindest wenn man wusste, wie.
Generell hatten sich in meinem Leben ein paar Dinge verändert. Ich hatte eine neue Katze, um die der anderen jetzt Gesellschaft leistete und einen Hund. Einen großen schwarzen Schäferhund. Also, als ich ihn gekauft hatte, war er nicht so groß gewesen, aber das war auch schon wieder fünf Monate her und inzwischen reichte er mir bis zum Knie. Er trug ein dunkelblaues Halsband, an eine silberne Plakette mit seinem Namen darauf und auf der Rückseite meinem Namen und meiner Telefonnummer. Ich wollte den Kleinen ja nicht verlieren.
Obwohl ich genauso gut in meinem Haus hätte bleiben können und es besser wissen sollte, machte ich mich auf den Weg zum Friedhof. Ich wollte Matt und Sienna besuchen, aber das war nur eine der Ausreden, die ich vorschob, um auch an Thirteens Grab sein zu können. Es war mir ein inneres Bedürfnis, vielleicht, weil ich gedanklich ein bisschen etwas loswerden musste. Ich hatte mich gut geschlagen in der letzten Zeit, wirklich. Na gut, ich hatte Ethan gemieden, meine Gespräche mit ihm, die nun einmal nötig waren, auf die Arbeit beschränkt und selbige immer mehr von Zuhause aus verrichtet. Aber emotional und gedanklich hatte ich mich wirklich bemüht, Thirteen gehen zu lassen. Es war schwer und hatte sicherlich nicht immer so funktioniert, wie ich es mir vorgestellt hatte, aber nach meiner Selbstfindungsphase, die leider Gottes auch sehr viel Sex mit sehr vielen anderen Typen, Alkohol und Drogen beinhaltet hatte, ging es mir tatsächlich besser. Ich konnte auf den Friedhof gehen, ohne auf der Stelle in Tränen auszubrechen oder Angst zu haben. Ich schätze, das war eine deutliche Verbesserung.
Ob ich inzwischen fähig war, eine Beziehung zu führen oder ob ich immer noch Angst haben würde, ob ich meine Gefühle für Ethan, die wirklich nicht zu leugnen waren, jetzt eingestehen könnte und vor allem... ob Ethan mir nach all dem noch eine Chance geben würde, selbst wenn ich das alles könnte, ob er mich überhaupt sehen wollte...das wusste ich nach wie vor nicht. Aber ich musste es herausfinden. Irgendwie. Dafür musste ich mit Ethan reden und das würde sicherlich nicht leicht werden.
Beim Grab angekommen, wechselte ich die Kippe aus, die an den Grabstein gelehnt dastanden, die letzte Packung war durchweicht vom Regen und kniete dann eine ganze Weile einfach nur davor. Ich betrachtete die eingravierte Dreizehn auf dem dunklen Stein, seinen Namen, die Lebensdaten und dachte dabei an nichts bestimmtes, nur an alles, was meine Gedanken zu ihm zurückzog. Sein Lächeln, das verfluchte dunkelblaue Motorrad, die Lederjacke, sein Feuerzeug, ja, sogar an das Lied, das er immer als aller erstes auf dem Musicplayer in meinem Auto ausgewählt hatte. „You're Mine“ von Disturbed. Ich dachte an all die Dinge, die Thirteen eben gewesen war.
Aus diesen Gedanken wurde ich gerissen, als mein Hund anfing, aufgeregt an der Leine zu ziehen und zu bellen. „Fye, lass das“, sagte ich streng, aber wurde dabei nicht laut. Ich wollte meinen Hund doch nicht anschreien. Er beruhigte sich auch so wieder, trippelte allerdings noch ein wenig aufgeregt umher, während ich mich wieder aufrichtete, um zu sehen, wem gegenüber sich mein neuer Schützling gleich so fabelhaft benommen hatte. Kaito. Naja, wie hätte ich es anders erwarten sollen? Wir trafen uns ja öfter mal hier. Unfreiwillig. „Morgen“, grüßte ich, der Höflichkeit halber und kniete mich dann doch wieder zu meinem Hund, um ihn zu beruhigen. „Bist du mit Ren hier?“, setzte ich hinzu, weil es dann eigentlich nahe lag, dass er auch zu Matts Grab gewollt hatte und in diesem Fall sprach alles dafür, gleich zu ihm zu gehen. Nicht, weil Kaito mir so furchtbar unangenehm war, ich...kam eben ganz gut mit ihm klar, musste ihn aber auch nicht sonderlich lange um mich haben, sondern weil ich Ren letzte Woche das letzte Mal gesehen hatte und das kein Abstand war, den ich akzeptabel fand. Zumal er es mir vorwerfen würde, wenn ich nicht wenigstens Hallo sagte.

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BeitragThema: Re: ~Friedhof~   Mo Jan 25, 2016 5:27 am

Wütend ließ ich meinen Fuß gegen den grauen Stein donnern. Glücklicherweise bewahrte die Stahlkappe meiner Stiefel meine Zehenspitzen vor besonders großem Schaden. „Verfluchter Bastard“, fluchte ich leise und mahlte mit dem Kiefer. Dann seufzte ich und versuchte mich wieder zu fassen. Der tote Hurensohn konnte auch nichts für meine Lage und auf einen Toten eifersüchtig zu sein wäre hirnrissig. Mit einem müden Lächeln klopfte ich entschuldigend auf den Grabstein, auf dem eine große Dreizehn eingraviert war. Eigentlich war dieses, gerade dieses, Grab nicht mein Ziel gewesen, aber ich fand, der Anstand gebot es mir, wenigstens einmal hier vorbeizuschauen. Ich hatte Kodora nie besonders gut gekannt, eben nur so gut wie ich fast jeden hier kannte, der schon etwas länger im Geschäft war. Allerdings hatten wir durch einige Geschäfte miteinander zu tun und hatten auch hin und wieder ein, zwei Biere miteinander getrunken. An sich konnte man fast sagen, hatte ich den Mann gemocht. Für eine Freundschaft hatte es allerdings nie gereicht.
Ich seufzte und hob einen von den Kieseln, die man hin und wieder auf dem Weg zwischen den Gräbern finden konnte, auf. „Ich weiß, eigentlich macht man das ja nur bei anderen Juden, aber was soll's...?“, seufzte ich, während ich den Kiesel an meiner Jeans etwas sauber wischte. Ich wusste nicht, wie ich ihm ansonsten irgendwie etwas Ehre gebieten könnte. Ich legte den Kieselstein auf Thirteens Grabstein ab und senkte kurz den Kopf. Es war eine Schande, dass die Welt so einen Mann verloren hatte. Ich blieb noch einen kurzen Moment stehen, dann fing ich mich wieder etwas und machte mich auf dem Weg zu meinem eigentlichen Ziel.
Das Grab, genauer gesagt die Gräber, vor denen ich jetzt stand waren etwas älter, als das von Thirteen. “Sienna und Matt Mayson“ stand auf dem einzelnen Grabstein. Die Geburtsdaten mochten unterschiedlich sein, doch das Todesdatum war das gleiche. Heute vor vier Jahren. Mit angespanntem Kiefer legte ich den Blumenstrauß, den ich schon die ganze Zeit mit mir herumschleppte, auf dem Grab ab und ging in die Hocke, um ein paar Kerzen zu entzünden. „Denk nicht, dass die Blumen für sich sind Matt.“, murmelte ich mit einen schiefen Grinsen. „Ich könnte euch hier schon grade ziemlich gut gebrauchen, wisst ihr?“, seufzte ich dann resigniert und ließ mich im Kies des Weges nieder. „Ich hatte ‘n paar echt beschissene Monate, wisst ihr?“ In letzter Zeit hatte ich mir oft gewünscht nie mit Near geschlafen zu haben. Nicht, dass ich die Sache an sich bereute. Es war halt passiert und ich konnte eigentlich ziemlich gut damit leben, auch mit der Sache, dass er meine Gefühle nie erwidert hatte, aber womit ich einfach nicht klarkam, war die Funkstille zwischen uns. Ich wusste nicht, ob er ein schlechtes Gewissen mir gegenüber hatte oder mir einfach nur nicht mehr in die Augen sehen konnte, weil ich irgendetwas falsch gemacht und ihn verletzt hatte. Jedenfalls konnte ich diese Stille nicht mehr ertragen. Es fühlte sich an, als hätte ich den letzten Rest Familie auch noch verloren. Besonders jetzt, wo ich vor dem Grab von Matt und Sienna saß, holten mich diese Gedanken ein. Wenn es nach mir gegangen wäre, würde direkt daneben Rens Grab liegen, doch Near hatte sich stets gegen den Gedanken gesträubt, dass sein Bruder höchstwahrscheinlich tot war und hatte nie zugelassen, dass für ihn ebenfalls ein Grab eingerichtet wurde. So saß ich noch eine kleine Weile am Grab des besten Freundes, den ich je gehabt hatte, und schaute in die Wolken, die sich am Himmel verdichteten. Es sah nach Regen aus. Super.


Zuletzt von Ethan Black am Di Jan 26, 2016 12:15 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Ren Asukai
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BeitragThema: Re: ~Friedhof~   Di Jan 26, 2016 12:07 pm

Für mich war es kein besonders schöner Morgen, obwohl ich ihn neben Kaito begann. Unter gewöhnlichen Umständen wäre das allein genug, um jeden Morgen für mich wunderbar sein zu lassen, doch heute war es nicht genug. Das lag einfach an den Erinnerungen, die mich quälten, aus keinem besseren Grund, als dass ich wusste, welches Datum wir hatten. Vor meinen Augen spielten sich die Szenen ab, die ich miterlebt hatte, die Schmerzen und was danach kam. Die ganze Zeit während des Frühstücks sprach ich kaum ein Wort und als wir später das Haus verließen, ich ganz in Schwarz, hatte ich noch immer nicht viel von mir gegeben. „Frühstück“ bedeutete für mich heute auch nur Kaffee und eine Zigarette. Alles andere hätte ich schwerlich im Magen behalten. Es war nicht einfach nur die Trauer über den Verlust von Matt und Sienna, es war nicht nur die Erinnerung an das, was an diesem Tag passiert war. Es war alles, was das für mich bedeutet hatte. Natürlich fand ich das irgendwo egoistisch, aber ich konnte nicht ignorieren, dass es heute vor vier Jahren angefangen hatte. Genauso wenig, wie ich meine Trauer ignorieren konnte. Es war einfach beides, aber ich musste gestehen, dass die ganzen Flashbacks, die mit diesem Tag immer einher gingen, fast furchtbarer waren. Trotzdem, wenn ich die Wahl hätte, hätte ich lieber Matt und Sienna lebendig, als das nie erlebt. Die Erinnerung war jetzt in diesem Moment schrecklicher, aber generell war es schlimmer, dass sie hatten sterben müssen.
Ich hielt Kaitos Hand, bis wir auf dem Friedhof waren. Es war nur logisch, dass er zum Grab seines Bruders sollte und eigentlich hatte ich vor, da nachher auch noch mal vorbei zu schauen, aber zuerst war eben meine Familie dran. Also küsste ich ihn zum Abschied kurz, murmelte ein: „Bis später“ und machte mich dann auf den Weg zu Matt und Siennas Grab.
Ich hatte angenommen, vielleicht meinen Bruder dort zu treffen, aber Near schien nicht da zu sein. Nun, zumindest nicht, wenn er nicht in der letzten Woche, seit ich ihn gesehen hatte, gefühlt einen halben Meter gewachsen wäre und sich die Haare rot gefärbt hatte. Aber Moment... Auch wenn das ganz sicher nicht mein Bruder war, kannte ich ihn. Ich musste nur eine kleine Weile überlegen, weil meine Gedanken so eingenommen von anderen Erinnerungen waren, bis ich die Blumen ablegte und etwas überrascht fragte: „Ethan...bist du das?“
Abgesehen davon, dass es ganz schön peinlich wäre, wenn dem nicht so wäre und meine Frage wirklich glorreich formuliert war, war ich mir inzwischen sogar ziemlich sicher, dass es Matts alter Freund war, der hier vor dem Grab kniete. Er sah nicht gut aus. Als würde ihn etwas furchtbar mitnehmen. Daran, dass er mich ja jahrelang nicht gesehen hatte und dass es sein könnte, dass er gar nicht wusste, dass ich überhaupt noch lebte, dachte ich im ersten Moment gar nicht. Ich wusste nicht, was er so die ganze Zeit über gemacht hatte – aber hatte Near nicht irgendetwas erzählt, was mit Ethan zutun hatte...? Ich musste gestehen, dass ich mich nicht ganz erinnern konnte. Wahrscheinlich hatte es irgendetwas mit der Arbeit zutun gehabt, denn es war nur logisch, dass Ethan noch immer bei den Legends war. Es fühlte sich nicht gut an, mich so wenig darum gekümmert zu haben, vielleicht den Kontakt zu ihm zu suchen oder zumindest Near zu bitten, mir seine Nummer zu geben, immerhin hatte er sich früher viel um uns gekümmert und wir hatten ihm beide sehr nahe gestanden, aber ich musste mir selbst wohl eingestehen, dass ich wirklich nicht an ihn gedacht hatte. Ich hatte anderes im Kopf gehabt, vor allem meinen Bruder. Und dann die Sache mit Kaito... Dafür war einfach kein Platz gewesen, auch wenn das keine echte Entschuldigung war.

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Kaito Kodora

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BeitragThema: Re: ~Friedhof~   Do Jan 28, 2016 6:06 am

Alles in allem hatte ich keinen sonderlich schöner Morgen. Für mich mochte es ein Tag wieder jeder andere sein, doch wenn ich sah, wie es Ren ging, litt ich mit ihm mit. Ich konnte es nicht ertragen, ihn so zu sehen. Wenn ich allerdings überlegte, was dieser Tag für ihn bedeutete, war es nur verständlich, dass er sich milde gesagt scheiße fühlte. Immerhin war das nicht nur der Todestag seiner Zieheltern sondern auch der Tag an dem alles angefangen hatte. So konnte ich nur wenigstens versuchen für ihn da zu sein, auch wenn es nicht besonders viel half, was mir ziemlich auf die Nerven ging. Ich hasse es, ihn so zu sehen und nicht helfen zu können.
Ich entschied mich, ihn auf den Friedhof zu begleiten. Er sollte an einem Tag wie diesem nicht komplett alleine sein und so konnte ich noch einmal am Grab meines Bruders vorbeischauen. Auf dem Weg über den Friedhof drückte ich leicht seine Hand und strich mit meinem Daumen über seinen Handrücken. Irgendwie wollte ich ihn spüren lassen, dass ich da war. Auch wenn er heute morgen nicht wirklich gesprächig war und ich ihm sicher kein Gespräch aufzwingen wollte. "Lieber früher als später", lächelte ich leise als Antwort nach unserem Abschiedskuss und strich ihm noch einmal über die Wange. Ich wäre ja auch erst mit ihm mitgekommen, aber ich schätzte ein paar Momente allein würden ihm momentan nicht schaden. Ich wollte mich ihm ja nicht aufzwingen.
Mit den Händen in den Taschen lief ich die letzten Meter zu Fyes Grab. Schon bevor ich ankam wurde ich mit Hundebellen begrüßt. Da ich nicht mit Hunden klar kam, konnte ich nicht ausmachen, ob es jetzt freudig oder bedrohlich sein sollte. Ich entschied mich, nur das Gesicht zu verziehen. Wenigstens schien der Besitzer des Hundes, der sich als Near herausstellte, seinen Köter unter Kontrolle bringen zu können. "Sehr charmant Asukai. Ich hatte auch überlegt mir eine Katze zu holen... Vielleicht nenne ich sie ja Ren.", seufzte ich nach einer kurzen Begrüßung mit einen Hauch Sarkasmus in der Stimme. Fye war kein Name für einen Hund und ganz bestimmt nicht für seinen Hund. Aber gut. Ich konnte ich ziemlich gut verstehen. Auch ich vermisste Fye höllisch und irgendwie war es ja auch auf eine ziemlich verquere Art niedlich, dass er seinen Hund nach Thirteen benannte.
Ich hielt dem Hund, der mich neugierig beschnüffelte, als ich näher kam meine Hand hin, auch wenn es mir nicht geheuer war. Ich mochte Hunde nicht besonders, seit ich als Kind mal von einem ziemlich großen Vertreter seine Rasse auf einen Baum gejagt wurde. Wenigstens war der hier noch jung und wahrscheinlich verhältnismäßig klein.
"Jap. Ren ist allerdings schon zum Grab eurer Zieheltern vorgegangen, ich wollte noch kurz hier vorbeischauen.", erklärte ich, wieder in einem freundlicheren Ton und sah zum Grabstein. Darauf lag ein einzelner kleiner Kieselstein. Ich hob kurz die Augenbraue. Wir waren keine Juden und wenn ich mich recht erinnerte, kannten wir auch keine Juden. Tja. Aber mein Bruder hatte Gott und die Welt.
"Wird es jetzt zur Gewohnheit, dass wir uns hier treffen?", grinste ich dann, als ich wieder zu Near schaute. Die einzigen Momente, wenn wir uns sahen, ohne dass er in Rens Wohnung rumgeisterte waren tatsächlich die Tage, an denen wir uns zufällig am Grab meines Bruders trafen.
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Near Asukai
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BeitragThema: Re: ~Friedhof~   Do Jan 28, 2016 7:39 am

Ich seufzte auf Kaitos Bemerkung hin und erwiderte dann etwas abfällig: „Erspar mir doch bitte Ausführungen über deine Zukunftsplanung.“ Was ging es ihn eigentlich an, wie ich meinen verdammten Hund nannte? Natürlich wusste ich, worauf er anspielte, aber es war mir egal. Sollte er seine Katze nennen, wie er wollte. Was im übertragenden Sinne dafür stand, dass es mir wirklich scheißegal war, was er so tat, weil ich schon mitbekommen hatte, dass der Plan mit einer neuen Katze nicht ernst gemeint war. Hatte er nicht eine, oder war die verreckt, weil er grauenhaft darin war, sich um etwas zu kümmern? Zumindest um etwas Lebendiges. Obwohl ich von den Revanchers auch schon eine Weile nichts mehr gehört hatte. Wenn das bedeutete, dass er sich jetzt mehr Zeit für meinen Bruder nahm, sollte es mich allerdings nicht stören. Es störte mich, ehrlich gesagt, auch so nicht. Konkurrenz belebte ja vielleicht das Geschäft, aber ohne verkaufte es sich besser.
Vielleicht war die Wahrheit aber auch nur, dass es mir hochgradig egal war. Für uns lief es gut, das zählte. Und nicht mal darüber hatte ich mir in letzter Zeit viele Gedanken gemacht. Es ging bergauf, seit Ethan mein Stellvertreter war. Ich selbst hatte deswegen nicht unbedingt weniger Arbeit, doch sie fiel mir leichter, weil ich wusste, dass jemand da war, auf den ich mich verlassen konnte und weil Ethan vor allem organisatorische Aufgaben gut vorbereitete und meisterte. Es war eigentlich keine Frage, dass die anderen auf ihn hörten und gut funktionierten. Immerhin war er eines der ältesten Mitglieder und allein deswegen wurde ihm Respekt entgegen gebracht, der zwischen den Neueren oft fehlte. Allein diese Tatsache ermöglichte es mir ja überhaupt, von Zuhause aus zu arbeiten, wenn mir danach war.
Fye schien Kaito, im Gegensatz zu mir, gar nicht so übel zu finden. Zumindest schloss ich das daraus, dass er anfing, seine Hand abzulecken und nicht einfach reinzubeißen und generell so aussah, als würde er jetzt Liebe und Zuneigung erwarten. Verwöhnter Köter. Egal, wo er war, er erwartete immer erst, dass ihn alle toll fanden. Ob der Name so etwas wie eine selbsterfüllende Prophezeiung war? „Irgendwann vergiftet dich noch jemand, weil du immer alles ableckst“, seufzte ich an den Hund gewandt, der mich daraufhin mit aufgestellten Ohren und freudig wedelndem Schwanz ansah. „Gut, dass du überhaupt nicht dumm bist“, meinte ich und kraulte ihn hinter dem rechten, abgeknickten Ohr. Er war schon verflucht süß, aber selbst für einen Hund ziemlich dämlich.
Etwas aufmerksamer wurde ich, als Kaito von Ren sprach und ich fragte, sehr besorgt: „Wie geht es ihm?“ Wahrscheinlich nicht sonderlich gut, aber ich wollte zumindest wissen, ob es annehmbar oder katastrophal war. Einfach, damit ich darauf vorbereitet war, wenn ich ihn gleich sah und mir schon mal etwas überlegen konnte, was ich ihm sagen könnte, wenn es so schlimm war, wie ich glaubte. „Sieht so aus“, antwortete ich schließlich auf Kaitos Bemerkung hin und setzte dann trocken hinzu: „Ist ja neben Ren auch das einzige, was uns irgendwie verbindet.“ Glücklicherweise.

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BeitragThema: Re: ~Friedhof~   Fr Jan 29, 2016 8:08 am

Meine grauen Augen starrten schon eine kleine Weile ins Leere. Hier am Grab holten mich die Erinnerungen in voller Härte ein. An frühere Zeiten. Sowohl die guten, als auch an damals, als ich das erste Mal an diesem Grab stand. Im Anzug meines Vaters, da ich keinen eigenen Besaß mit dem Arm, im verzweifelten Versuch irgendwie Trost zu spenden, um Nears Schultern gelegt. Die Situation hatte mich völlig überfordert. Es ging damals fast gar nicht in meinen Kopf, dass Matt einfach so weg sein sollte. Der Mann, der stets da für mich gewesen war, selbst wenn ich zugedröhnt wie scheiße war und nicht einmal in der Lage einen vernünftigen Satz zu formulieren. Dieser Fels in der Brandung, der er sprichwörtlich für mich war, sollte einfach so von einem Tag auf den anderen weg sein? Ich begriff es nicht. Das war unter anderem der Tag, an dem ich entschieden hatte besonders in dieser schweren Zeit, für Near, das letzte verbliebene Glied meiner Zweitfamilie, genauso da zu sein, wie sein Ziehvater es damals für mich sein. Dass ich dabei auf ganzer Linie versagt hatte, war ziemlich offensichtlich, wenn man bedachte, wie der Junge drauf war und unser Verhältnis heute aussah…
Durch meine Abwesenheit bemerkte ich das Knirschen der Steine auf dem Weg erst, als ich es direkt neben mir hörte. Träge sah ich auf. Es gab nicht viele Menschen, die, gerade an diesem Tag, gerade an diesem Grab erscheinen sollten. Was ich dann allerdings sah, hätte ich im Leben nie erwartet. Ich war gerade echt froh, schon auf dem Boden zu sitzen, sonst hätte mich der Anblick dieses Gesichts wortwörtlich umgehauen. „Da fick mich doch ein Pferd…“, murmelte ich, wenig charmant. „Ich glaube ich bin Ghost Whisperer.“ Ich stand auf und klopfte mir den Dreck von der Jeans. „Ren??“ Ich hatte ihn schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen, aber er war es definitiv. Er sah fast genauso aus wie sein Bruder. Naja, wenn man eben die Gesichtszüge von Near kannte. Auch heute noch trug er die langen, weißen Haare von früher und hatte, im Gegensatz zu seinem Bruder, diese schönen, blauen Augen, um die man ihn nur beneiden konnte. Auch wenn er größer war, viel verändert hatte er sich nicht. „Scheiße ey…“, fluchte ich und fuhr mir glücklich grinsend übers Gesicht, nur um sicherzustellen, dass ich nicht träumte, bevor ich fortfuhr: „Ich dachte… naja… ich dachte du wärst tot…“ Ich musste dem Drang wiederstehen, ihn sofort in meine Arme zu ziehen, um ihn fest zu drücken. Doch das wäre komisch. Rein theoretisch, waren wir Fremde, so lange wie wir uns nicht mehr gesehen hatten.
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Ren Asukai
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BeitragThema: Re: ~Friedhof~   So März 06, 2016 8:02 am

Geez, I hope you're happy now bc I am.

Es tat gut zu sehen, dass es anscheinend noch jemanden gab, dem ich selbst an diesem Tag irgendwie eine Freude machen konnte. Nicht, dass ich nicht jedes Mal glücklich war, wenn ich meinen Freund zum lächeln bringen konnte oder wenn er für mich lächelte, aber das hier, war einfach etwas ganz anderes. Ich spürte Tränen in meinen Augen aufsteigen, als ich leicht über Ethans unveränderte Art lachte. Mir war, als hätte ich einen Teil meiner zerbrochenen Familie zurückbekommen und im Gegensatz zu ihm zögerte ich nicht, ihn zu umarmen – oder mich viel mehr an ihn zur drücken und die Arme um ihn zu schließen, wie früher, als ich noch ein Kind gewesen war. Mit dem Unterschied, dass ich die Arme inzwischen schließen konnte und nicht mehr mit seinem Bein kuschelte. Er sah gesünder aus, ansonsten hatte er sich nicht viel verändert. Auch wenn heute ein trauriger Zug auf seinem Gesicht zu liegen schien, den ich von früher nicht kannte. Ich kannte einen ausgelassenen Mann, der mit mir und meinem Bruder spielte und lachte. Es war Matt überlassen geblieben, seine Nächte zu kennen. Meine Erinnerungen an Ethan zumindest waren geprägt von Wärme und Zuneigung, von Lachen und einer Helligkeit, die die Villa damals inne gehabt hatte und die ihr abhanden gekommen war, seit mein Bruder dort allein lebte. Ich hatte das Haus in der letzten Zeit oft besucht und wenn es nur war, um Near beim packen zu helfen, aber immer wieder festgestellt, dass etwas fehlte. Dass die weißen Wände kühl und neutral wirkten und nicht mehr warm und rein, wie damals, als wir noch eine Familie gewesen waren. Near war für mich natürlich immer noch Familie. Aber wir waren einfach nicht komplett.
"Das...dachten tatsächlich 'n paar Leute", gestand ich schließlich, als ich mich von Ethan gelöst hatte und strich mir etwas verlegen durch die Haare. "Sagen wir's so, ich hab's...auch nicht gerade einfach gemacht, mich zu finden", setzte ich dann vage hinzu und sah auf den Boden. Es brannte mir nicht unbedingt auf der Zunge, ihm zu erzählen, warum ich nicht einfach zurückgekommen war oder was ich getan hatte. Es fühlte sich immer noch an, als wäre Matts und Siennas Tod meine Schuld. Als hätte ich sie alle verraten. Die Träume meines Vaters, seinen besten Freund, die Frau, die wie eine Mutter für mich gewesen war, meinen Bruder, die Legends...und damit letztendlich auch Ethan. Natürlich wollte ich nicht nicht unbedingt darüber sprechen. Viel lieber wollte ich glauben, dass er sich wirklich freuen konnte, mich wiederzusehen.
"Wie geht’s dir, Ethan?", fragte ich und konnte nicht vermeiden, dass ein besorgter Unterton in meiner Stimme mitschwang, obwohl er älter war als ich und mich schon als Kind kannte. Ich konnte das bei den Menschen, die mir etwas bedeuteten einfach nicht einstellen und Near hatte mir mehr als einmal gesagt, ich würde klingen, als sei ich seine Mutter – was allerdings recht verstörend wäre, da ich in diesem Falle auch meine eigene Mutter sein müsste. Aber gut, Zellteilung war ja irgendwie in, warum nicht auch mit ganzen Körpern. Das würde zwar immer noch die Frage der Geschlechtstransformation klären, aber zumindest, wie ich meine eigene Mutter sein könnte. Wie auch immer, ich war wirklich daran interessiert, zu erfahren, wie es Ethan in den letzten Jahren ergangen war. Am Rande hatte ich natürlich bemerkt, dass es ihm streckenweise mehr als dreckig ging. Immerhin waren wir dreizehn und nicht drei gewesen. Manche Sachen bemerkte man dann eben doch. Und gerade jetzt hatte er noch einen anderen Zug von Trauer und Sorge, dass ich mich fragte, was wohl geschehen war, damit der Mann, den ich strahlend lächelnd kannte, so einen Ausdruck in den Augen hatte. Es mochte natürlich der Tag sein, aber mein Gefühl beharrte darauf, dass da noch etwas war.

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BeitragThema: Re: ~Friedhof~   Fr Apr 01, 2016 10:25 am

Glücklich erwiderte ich Rens Umarmung und schloss ihn mit einem breiten Lächeln in die Arme. Verdammt war das ungewohnt, dass mir sein Kopf mittlerweile bis zum Kinn reichte… Ich hatte so viel verpasst und doch; es fühlte sich nicht anders an als früher. Nur dass mich Ren damals aus anderen Gründen umarmt hatte und nicht weil wir uns seit Jahren nicht gesehen hatten. Das sanfte, fürsorgliche Lächeln wich auch nicht aus meinem Gesicht, als sich der Weißhaarige wieder von mir gelöst hatte, ich allerdings meine Hände auf seinen Schultern liegen ließ. Ich fragte nicht nach, was es denn genau so schwer gemacht hatte, ihn zu finden oder warum er alle im Glauben gelassen hatte, er wäre tot. Es gab sicher einen Grund, warum er mir nichts Genaueres erzählen wollte und was wäre ich für ein Mensch, wenn ich ihn dazu drängen würde, mir alles zu erzählen? Ich wollte mir nicht einmal genauer ausmalen, was er alles hatte durchmachen müssen. Stattdessen musterte ich ihn einen kurzen Moment etwas ausgiebiger als vorher. Er war niedlich geworden und hübsch außerdem, bemerkte ich amüsiert. Nicht, dass ich irgendeine Art von Interesse an ihm haben würde. Er war mehr ein kleiner Anflug von Stolz darüber, was aus ihm geworden war.  Trotz alle dem was passiert war. Niedlicher als sein Zwilling war er jedenfalls allemal. … Aua. Ganz falscher Gedanke.
Fast als hätte Ren meine Gedanken erraten, fragte er mich, wie es mir ging. Wahrscheinlich lag es allerdings mehr daran, dass das Lächeln, welches meine Augen sowieso nie erreicht hatte, bei meinem letzten Gedankengang letztendlich doch gänzlich von meinem Gesicht verschwunden war. Allerdings gefiel mir der besorgte Unterton in seiner Stimme nicht besonders. Er sollte sich keine Sorgen um mich machen.  Jetzt war ich es, der sich nervös durchs Haar fuhr, während ich nach einer angemessenen Antwort suchte. Ich lachte leise und sah auf den Kies des Weges, auf dem wir standen.  „Habe in letzter Zeit nicht so besonders viel geschlafen, weißt du? Ist nicht grade so das, was ich als die schönste Zeit meines Lebens bezeichnen könnte momentan. Nichts mit dem nicht klarkommen würde.“
Es war ja schon lächerlich genug, dass mich diese Sache immer noch belastete… Man sollte meinen, ich wäre erwachsen genug, um mir Near nach einem halben Jahr endlich mal aus dem Kopf zu schlagen. Wir hatten eh keine Chance mehr. Aber anscheinend sah das mein Herz anders. Oder ich war einfach zu dämlich dazu und bildete mir weiterhin irgendeine Chance ein. Doch der Gedanke, mich damit abzufinden und ihn einfach zu vergessen, war fast genau so schmerzhaft wie der Gedanke, dass das mit uns nie was werden würde. Mittlerweile wünschte ich es mir fast schon, ihm damals alles, was ich gefühlt hatte an den Kopf geworfen zu haben. Vielleicht würde ich das heute nicht mehr in mich hineinfressen und ich würde endlich nachts mal wieder gut schlafen können. Tja, Chance verpasst. Das eigentliche Problem und der Grund meiner momentanen Situation waren allerdings auch nicht meine verletzten Gefühle, sondern diese komplette Funkstille zwischen Near und mir. Ich vermisste es, mich mal mehr mit ihm zu unterhalten als über die Arbeit. Doch jedes Mal als ich es versucht hatte, hatte er abgeblockt und mit der Zeit hatte ich aufgegeben. Was ich nicht alles geben würde, um diese Nacht ungeschehen zu machen.

Ein erneutes Knirschen auf den Steinen des Weges lies mich wieder aufblicken und sofort verhärtete sich meine bis dato traurige, etwas verlorene Miene in eine angespannte Maske. Hätte Near nicht noch eine halbe Stunde warten können, um an diesem Grab aufzuschlagen? Dann hätte ich ihn und seine Begleitung schön umgehen können. Ich wollte keinen von beiden besonders gerne sehen.  Ich wandte meinen Blick ab und steckte, in dem Versuch wenigsten ein wenig unbekümmert zu wirken. „Was für ein Glück, dass es zwei davon gibt, hm? So kann man den einen Kodora schnell mit dem zweiten ersetzen.“, murrte ich zwischen zusammengepressten Zähnen. Es war mir mehr rausgerutscht und noch bevor ich den Satz überhaupt komplett beendet hatte, bereute ich ihn schon wieder. Wieso konnte ich mich einfach mal nicht wie das letzte Arschloch auf diesem Planeten benehmen? Ich seufzte und fuhr mir mit einer Hand übers Gesicht. „Ich… denke mal ich verzieh mich dann besser…“, seufzte und ich fuhr Ren noch einmal liebevoll über den Kopf bevor ich mich abwandte, um zu gehen. Ich konnte es Near nicht verübeln heute an Matts Grab zu sein, nur musste ich ja nicht unbedingt dabei sein.
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Near Asukai
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BeitragThema: Re: ~Friedhof~   Fr Apr 01, 2016 11:54 am

Das Gespräch mit Kaito nahm – wie erwartet – auch in den folgenden Minuten keine besonders angenehme Wendung. Aber was hatte ich denn erwartet? Freundlichkeit oder etwas intellektuelles Ansprechendes? Beides war bei diesem Mann doch letztendlich viel zu viel verlangt – ich wollte ihn ja auch nicht überfordern, am Ende tat er sich noch weh und das würde Ren mir sicher übel nehmen. Ich wollte ihn nicht unglücklich machen und das war wahrscheinlich auch der einzige Grund dafür, dass ich mir weitere, sarkastische Kommentare verkniff und stattdessen vorschlug, zu Ren zurück zu gehen Mir war ein wenig unwohl dabei, wenn er heute länger alleine war. Zwar hatten wir uns noch nicht allzu lange wieder, doch es war, als habe sich zwischen uns nie etwas verändert. Und ich wusste einfach, wann er jemanden brauchte, der bei ihm blieb. Ob das nun ich, Kaito oder der Weihnachtsmann war – Hauptsache, jemand war das. Okay, letzterer vielleicht nicht gerade. Ren hatte die Weihnachtsmänner im Kaufhaus immer gehasst. Und wahrscheinlich tat er es heute noch. Das war so ähnlich, wie meine nie enden wollende Abneigung für Clowns … oder Puppen.
Wahrscheinlich sollte ich nicht überrascht sein, dass Ren nicht alleine war, als ich, mit ein wenig Sicherheitsabstand zwischen mir und Kaito, mit ihm zum Grab meiner Paten zurückkehrte. Matt war immerhin Ethans bester Freund gewesen und es war mehr als verständlich, dass er heute hier war. Ich schluckte schwer, denn so wurde ich nur noch früher mit den Dingen konfrontiert, die ich heftig verbockt hatte und jetzt irgendwie – und Gott wusste, wie – wieder in Ordnung bringen musste. Blieb nur die Frage, ob ich das überhaupt konnte. Ich an seiner Stelle würde mir wohl nicht vergeben. Vor allem nicht nach der Funkstille. Und so verhalten, als würde ich wirklich ehrliche Gefühle für ihn haben, hatte ich mich innerhalb der letzten Zeit auch nicht gerade. Aber verdammt, es stimmte! Fuck, ich... ich liebte diesen Kerl. Und zwar so sehr, dass es weh tat, ihn so von mir fern zu halten. So sehr, dass ich an ihn dachte, wenn ich nachts wieder nicht schlafen konnte und dass dieser verdammte alte Pulli von ihm, der schon ewig bei mir lag, besser half, als die verdammten Schlaftabletten. So sehr, dass ich Stunden in diesem Ding am Fenster saß und darüber nachdachte, was hätte anders sein können, wenn ich nicht so feige gewesen wäre, bevor ich dann schließlich in meinen unruhigen Schlaf sank. Mit zuckenden Händen, die zweifelsohne nach ihm tasteten und der ständigen Angst, dass ich ihn vielleicht auch für immer verloren hatte. Auf die eine oder andere Art hatte ich Monate im Höllenfeuer verbracht. Doch das hier war auch nicht gerade ein Spaziergang zum Himmelstor.
Besonders seine Worte verdeutlichten mir wieder, wie verdammt schwer das wohl für mich werden würde. Aber scheiße man, jetzt oder nie, nicht war? Ich kannte mich selbst und ich war ein verfluchter Feigling, wenn es um Gefühl ging. Wenn ich es jetzt nicht tat, dann würde ich mich nie dazu bekommen, egal, wie sehr ich litt. Oder erst dann, wenn es wirklich viel zu spät war. Und ich konnte, ich durfte ihn nicht auch noch verlieren! Ich hatte ihm so weh getan und ich musste mit den Konsequenzen leben, wenn er mich jetzt hasste, aber allein der Gedanke brachte mich fast um. Ebenso sehr, wie seine Worte. Ich zuckte heftig zusammen und biss fest auf meine Unterlippe, um mich wieder in den Griff zu kriegen. Heulen konnte ich später. Jetzt musste ich noch ein paar Dinge sagen. Und hoffen. Hoffen, dass er mir glaubte und dass es noch nicht zu spät war. Dass er mir – nein, uns – noch eine Chance geben konnte. „Halt ihn mal bitte“, sagte ich vage zu Kaito, ehe ich ihm Fyes Leine in die Hand drückte, kurz über Rens Arm strich, als ich an ihm vorbei ging und kurz hinter Ethan stehen blieb, nur, um dann doch den letzten Schritt zu gehen und ihn vorsichtig festzuhalten. Nicht weniger vorsichtig lehnte ich meine Stirn gegen seinen Rücken und schloss für einen Moment die Augen, ehe ich leise und so, dass wohl nur er es hören würde, ansetzte: „Ethan, ich...ich kann dir gar nicht sagen, wie Leid es mir tut. Ich war so ein verdammter, dämlicher Idiot und...na klar, du hast alles Recht, wütend auf mich zu sein oder...mich zu hassen oder...was weiß ich...“, ich musste abbrechen, konnte das leichte Schluchzen nicht aus meinen Worten verbannen. Verdammt, was würde ich für Regen geben? „Aber, ich...ich will dass du weißt...Ethan, wenn ich nur eine Sache auf dieser Welt ändern könnte, dann...würde ich es verdammt noch mal ungeschehen machen, dass ich dir je so weh getan habe...“, zwang ich mich schließlich, weiterzusprechen. Und am liebsten hätte ich noch so viel mehr gesagt, doch meine Stimme brach in ein leises Schluchzen und instinktiv drückte ich mich ein wenig enger an ihn, suchte den Schutz und die Geborgenheit, die ich sonst immer bei ihm gefunden hatte. Ich würde alles für ihn tun. Aber war alles genug, angesichts dessen, was ich schon ruiniert hatte? Meine Stimme war kaum mehr ein Zittern, als ich schließlich sagte: „Ethan,... ich liebe dich.“
Ich würde gerne die Stimme in meinem Hinterkopf aussperren, die mir zuflüsterte, dass es dafür zu spät war. Dass ich ihn schon verloren hatte. Wie hatte ich diesem wunderbaren Mann jemals so weh tun können? Er war immer für mich da gewesen, nicht nur beruflich meine einzige Stütze in der Welt, solange Ren verschwunden war. Und er war und würde immer einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben sein. Ich wollte es nicht hören, ertrug allein diese Gedanken nicht. Und ich hatte Angst. Angst davor, wie er reagieren würde und dass diese hämische Stimme Recht hatte. Und dann setzte endlich der Regen ein. Auch, wenn ich sowieso schon geweint hatte, wenn er das sowieso schon wissen würde, weil es mehr als offensichtlich war. Und selbst, wenn es das nicht wäre, Ethan kannte mich zu gut, um es nicht zu merken. Hatte ich das wirklich alles zerstört?

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BeitragThema: Re: ~Friedhof~   Sa Apr 02, 2016 3:23 am

Ich spannte mich unwillkürlich an, als ich Nears Arme um meinen Bauch spürte, die mich festhielten. Ebenso starr blieb ich weiterhin stehen, als er anfing zu sprechen, mein Blick blieb auf den Boden gerichtet. „Hast dir ziemlich viel Zeit damit gelassen, findest du nicht?“, murmelte ich leise, als Near geendet hatte, während ich versuchte unbekümmert zu klingen, was der Kloß in meinem Hals ziemlich schwer machte. Ich schloss die Augen und atmete tief durch, versuchte den Tränen in meinen Augen keine freie Bahn zu geben. Seine Worte hatten mich alles andere, als kalt gelassen, nur wusste ich nicht, wie ich jetzt reagieren sollte. Immerhin konnten sie die letzten Monate nicht ungeschehen machen und ein „Es tut mir leid“ heilte auch keine Wunden. Und doch zerrissen mir seine verzweifelte Stimme und seine Tränen fast das Herz. Ich sah ihn nicht mal, so wie er momentan stand, und trotzdem hatte ich das Verlangen laut mit ihm mit zu heulen. Doch momentan war ich einfach zu überfordert, um irgendwie zu reagieren. Wer garantierte mir, dass Near mich nicht wieder verletzen würde. Ich glaube ihm zwar, dass seine Worte ernst waren und nicht einfach nur irgendwelche Phrasen und realisierte auch die Ernsthaftigkeit dahinter, doch alles in mir war auf Defensive eingestellt, aus der Angst wieder so verletzt zu werden.
„Du kleiner Idiot.“, murmelte ich leise während sich ein paar vereinzelte Tränen aus meinen Augenwinkeln lösten und sich mit dem Regen, der aus meinen Haaren tropfte, vermischten. Er hatte es ernsthaft geschafft mich zum Weinen zu bringen. „Wie kann ein Mensch, der so schlau ist, so derartig dumm sein…?“ Ich atmete tief durch und löste mit zitternden Händen seine Arme um meinen Bauch und drehte mich um. Für einen kurzen Moment sah ich ihn an und zog ihn dann in meine Arme. „Mein Rücken ist nicht so bequem, meinst du nicht auch?“, lachte ich leise mit zitternder Stimme an seinem Ohr und fuhr dann fort. „Als könnte ich dich hassen.“ Und als könnte ich ihm lange böse sein oder ihn jetzt abweisen, auch wenn das letzte Bisschen gesunden Verstandes in mir gerade danach schrie. Doch der gesamte Rest würde Near alles verzeihen. Er dürfte sowieso mit mir machen was er wollte, es wäre egal. Alles andere würde mir die Woge an Gefühlen, die mich gerade überwältigte, gar nicht erlauben. Ich konnte gar nicht anders, als ihn zu lieben. Auch wenn ich wusste, dass ich es vielleicht in ein paar Stunden bereuen könnte: Was waren schon ein paar Monate Leid im Vergleich dazu was ich jetzt fühlte?
Nachdem ich ihn eine kleine Weile an ihn gedrückt hatte, löste ich mich ein Stück von ihm, um ihn anzusehen. „Dein Make-Up verschmiert, Kleiner.“, grinste ich und wische mit den Daumen seine Tränen von den Wangen. Die Gelegenheit nutze ich, um sein Gesicht zu mir zu drehen und ihn lange zu küssen. Dieser Moment machte –zumindest jetzt gerade – alles wett, was ich in den letzten Monaten hatte durchmachen müssen. Als wir uns nach einer Weile voneinander gelöst hatten grinste ich erneut und legte meine Stirn an Nears. „Mach so einen Scheiß, nie wieder, okay? Das macht der alte Mann nicht mehr oft mit.“, grinste ich mit geschlossenen Augen.
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Near Asukai
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BeitragThema: Re: ~Friedhof~   Sa Apr 02, 2016 7:05 am

Meine Hände verkrampften sich einen Augenblick lang, als Ethan anfing zu sprechen. Ja, habe ich, es tut mir Leid, wollte ich sagen, doch ich brachte kein Wort heraus. Und, wenn ich tatsächlich so oft „es tut mir Leid“ sagen würde, wie ich es dachte und wie ich es wollte, würde er diese Worte wohl bis an sein Lebensende nie wieder hören wollen. Und sie würden ihre Bedeutung verlieren, wenn das passierte, wenn ich es zu oft sagte. Es gab keine passenden Worte, die ausdrückten, wie sehr ich es ungeschehen machen wollte, wie sehr es mir tatsächlich Leid tat. Und schon gar nicht solche Phrasen.
Eine Weile lang sagte Ethan gar nichts mehr. Das war nicht weiter verwunderlich, ich hatte schon in seiner Stimme gehört, dass er wohl einfach überfordert war, egal, wie unbekümmert er sich bemühte, zu klingen. Das ging einfach nicht, nicht jetzt. Ich hätte ihm sowieso nicht geglaubt. Weil Ethan einfach nicht so war. Er mochte noch so sehr so tun, als wäre alles in Ordnung, mir war einfach klar, dass es nicht so war. Und auch, dass es, wie auch immer er letztendlich reagieren würde, nicht mit meinem kurzen Geständnis getan war. Meine Worte konnten die Wunden nicht heilen, die meine Taten hinterlassen hatten. Da musste ich mich wirklich mehr anstrengen und verdammt, das wollte ich auch. Und das würde ich, wenn er mich nur ließ. Ich wusste, dass das hier nicht das Ende, sondern nur der erste Schritt meiner  Bemühungen sein durfte, die Dinge ins Reine zu bringen, wenn ich wirklich wollte, dass das mit uns funktioniert. Und das wollte ich. Es gab nichts, was ich mehr wollte, wirklich.
Ich hörte, dass Ethan weinte, noch bevor ich es sah. Seine Stimme zitterte nicht so sehr, wie meine, ich hörte kein unterdrücktes Schluchzen oder etwas in die Richtung, aber...er klang einfach anders. Ich wusste es einfach. Für einen Moment wollte ich mich nur noch mehr an ihm festhalten, als er meine Arme löste, weil ich furchtbare Angst hatte, dass er mich von sich wegdrücken würde, dass das bedeutete, dass er mir keine Chance mehr geben konnte. Doch genau das Gegenteil war der Fall. Nur Herzschläge später fand ich mich in seinen Armen wieder und konnte nicht anders, als erleichtert zu schluchzen, den Tränen freien Lauf zu lassen und zwar komplett, während ich mich an ihn drückte und nur zustimmend auf seine Worte hin nickte. Es war wirklich um einiges schöner so. Und trotzdem konnte ich nicht aufhören, zu weinen. Erst, als ich Ethans leicht zitternde Stimme wieder hörte und sanft durch seine nassen Haare strich, konnte ich mich wieder etwas beruhigen. Vielleicht waren es seine Worte, vielleicht auch einfach seine Nähe. Was es auch war, es half. Er half. Wie immer, eigentlich. Und ich konnte nicht sagen, wie glücklich ich darüber war, dass das wieder möglich war.
Auf die Sache mit meinem Make-up wollte ich antworten, kam aber nicht dazu. Allerdings störte es mich angesichts seiner Lippen auf meinen überhaupt nicht. Ich erwiderte den Kuss und legte meine Arme auf seinen Schultern ab, strich weiter durch die nassen, roten Haare. Nass war ohnehin ein gutes Stichwort, denn das war diese ganze Sache wirklich. Wir, der Boden, der Kuss, alles um uns herum. Aber ich hatte Regen noch nie so wenig wahrgenommen.
„Versprochen“, antwortete ich leise, als wir uns von einander gelöst hatten und Ethan seine Stirn gegen meine lehnte. Ich war klitschnass, bei ihm sah es nicht anders aus und es war tatsächlich auch nicht mal so warm. Aber das war mir unglaublich egal. Er war bei mir und diese Nähe zu ihm hätte ich jetzt nicht aufgeben wollen. Was war so eine Kleinigkeit wie eine Lungenentzündung, wenn ich dafür diesen Moment mit ihm hatte?

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Ethan Black

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BeitragThema: Re: ~Friedhof~   Sa Apr 02, 2016 8:52 am

Auch, wenn ich mich dieses Mal nicht hineinsteigern wollte, machte mich seine Antwort unglaublich glücklich. Für einen Moment erwischte mich ein Schwall klarer Nüchternheit und fast hätte ich „Wir werden sehen.“ geantwortet, doch das wollte ich ihm nicht antun. Nicht in seiner Lage. Es musste ihn so viel Überwindung gekostet haben, mit mir zu sprechen und ich war mir fast sicher, dass er auch keine leichte Zeit hinter sich gehabt hatte. Ich wollte glücklich sein und im Moment leben und ihm nicht die Fehler der Vergangenheit, an den ich nicht ganz unbeteiligt gewesen war, vorhalten. Was in der Vergangenheit war, würde ich heute auch nicht mehr ändern können. Viel wichtiger war es, dafür zu sorgen, dass die Zukunft besser aussähe. Und dieses Mal würde ich schon dafür sorgen, dass Near nicht wieder auf dumme Ideen kommen würde. Aber wenn ich ehrlich war, war es vielleicht gar nicht schlecht, dass wir es nicht so einfach gehabt hatten. Wer wüsste, ob man wirklich wertschätzen konnte, was man hatte, wenn man es einfach bekommen würde und nicht dafür kämpfen müsste? Außerdem wer wollte schon ein perfektes, reibungsloses Leben? Wahre Schönheit lag in der Imperfektion. „Ich nehm‘ dich beim Wort.“, erwiderte ich also einfach nur, als ich die Augen wieder geöffnet hatte und grinste ihn breit an. Ich hatte es satt verletzt oder traurig zu sein. Jetzt wollte ich einfach nur glücklich sein, egal wie lange das halten mochte und wie verletzt ich danach sein mochte. Aus eben jenem Grund beugte ich mich erneut zu Near runter und küsste ihn erneut.
Als wir uns wieder voneinander gelöst hatten, fiel mein Blick auf Ren und Kodora. Wir standen gar nicht mal so weit weg von den beiden und sie hatten wohl alles mitbekommen, auch wenn sie sich um etwas Diskretion bemüht hatten. Ich räusperte mich peinlich berührt, kratzte mich am Hinterkopf und ließ Near auch wieder los, hielt allerdings trotzdem noch seine Hand, ganz loslassen wollte ich ihn noch nicht- nicht jetzt. Irgendwie hatte ich ja fast ein schlechtes Gewissen den beiden anderen unsere Probleme förmlich gnadenlos aufgedrückt zu haben, wie ein pubertärer Teen. „Sorry, Leute.“, grinste ich deswegen nur rüber. „…Vielleicht wäre etwas Privatsphäre angebracht?“, fragte ich Near, immer noch grinsend seitlich zu ihm runtergebeugt. „Außerdem bin ich nass und ich glaube nicht, dass du Regenschirme herzaubern kannst, oder?“ Ich warf ihm einen Blick zu der quasi „Zu mir?“schrie. Mal davon abgesehen war er schließlich genauso nass wie ich –wenn nicht sogar mehr da meine Jacke wenigstens etwas den Regen abhielt- und ich wollte immerhin nicht, dass Near krank wurde.
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Ren Asukai
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BeitragThema: Re: ~Friedhof~   Sa Apr 02, 2016 2:14 pm

Ich sah Ethan ein wenig zweifelnd an, als er meinte, es wäre nichts, womit er nicht klarkommen würde. Natürlich – so sah er nun wirklich nicht aus. Aber ich hatte ihn gerade erst wieder getroffen, ich wollte mich nicht direkt wie seine Mutter aufführen. Möglicherweise hatte ich später noch Zeit, die Wahrheit aus ihm rauszukriegen. Gerade, als ich etwas sagen wurde, tauchten Kaito und mein Bruder auf. Ich hob leicht die Augenbrauen, angesichts des "Sicherheitsabstandes" zwischen ihnen und ließ sowohl meinem Bruder, als auch meinem Freund einen tadelnden Blick zu Teil werden. Wie oft hatte ich den beiden schon gesagt, dass sie einander eine Chance geben sollten? So unähnlich waren sie sich nicht einmal. Aber vielleicht war da mehr, als ich verstand. Irgendeine Differenz zwischen den Anführern zweier Gruppen, die nicht unbedingt beste Freunde waren. Auch, wenn da natürlich noch Desmond war... Aber gut – oder eher ungut – Kaito übernahm ohnehin die meiste Zeit über seine Aufgaben. Aber was sollte ich sagen? Ich liebte sie beide einfach abgöttisch und verstand nicht, wie irgendjemand sie nicht mögen konnte. Folglich konnte ich auch nicht verstehen, warum sie einander nicht mochten. Oder sich selbst.
Was allerdings deutlich erstaunlicher als die Tatsache war, dass Near und Kaito zu uns kamen, war, wie sehr sich Ethans Ausdruck veränderte. Bei seinen Worten schnellten meine Brauen erneut in die Höhe und ich sah ihm etwas irritiert nach. Viel Zeit zu fragen hatte ich allerdings nicht, da Near in diesem Moment an mir vorbei und Ethan hinterher ging. Meine Fingerspitzen strichen sanft über seine Handfläche, als er an meinem Arm vorbei strich und ich sah ihm besorgt nach. Das war also die Wahrheit. Mein kleiner Bruder und Ethan... wer hätte das gedacht? Ich jedenfalls nicht. Und nicht so bald nach Thirteens Tod. Auch, wenn bald natürlich relativ war. Bald, zumindest dafür, wie ich Nears Abhängigkeit von Thirteen eingeschätzt hatte. Also entweder Ethan hatte da ein Wunder vollbracht oder ich hatte mich verschätzt. Das Wunder war wahrscheinlicher, ich kannte meinen Bruder.
Ich wandte mich ein wenig von den beiden ab, da ich diesen anscheinend sehr intimen Moment nicht stören wollte. Verstehen, was Near sagte, konnte man ohnehin nicht. Als es zu regnen anfing, waren die anderen beiden noch beschäftigt. Ich hingegen hatte vorsorglich meinen roten Regenschirm aufgespannt und hielt ihn nun über meinen Freund und mich, ehe ich ihm die Hundeleine aus der Hand nahm und ihn aufmunternd anlächelte. Ich wusste schließlich, dass er nicht so wirklich der Hundemensch war. Da ich so keine Hand frei hatte, um seine zu halten, beließ ich es dabei, ihn auf die Wange zu küssen und mich leicht an ihn zu lehnen. "Ich liebe dich, weißt du das?", meinte ich schließlich, auch, wenn die Frage sinnlos war. Natürlich wusste er das. Aber manchmal brauchte ich das einfach. Ihm das sagen zu können.
Auf Ethans verlegene Entschuldigung hin, lachte ich nur und sagte dann: "Schon okay, Jungs. Seht mal zu, dass ihr euch aufwärmt." Eigentlich meinte ich damit nur, dass sie die Klamotten wechseln und irgendwo rein gehen sollten. Es klang trotzdem ein wenig...zweideutig. Hoppla. Aber naja, das lag letztendlich auch nur in den Entscheidungen der beiden. Und ich war einfach nur froh, Near so glücklich zu sehen. Und zu wissen, dass Ethan ihn auf keinen Fall verletzen würde. Eine bessere Wahl hätte selbst ich nicht für meinen Bruder treffen können.

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Near Asukai
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BeitragThema: Re: ~Friedhof~   Do Apr 21, 2016 11:20 am

„Tu das“, antwortete ich flüsternd, ehe ich, „Gott, Ethan, bitte tu das. Lass mich nie wieder so dumm sein“, hinzusetzte und die Stirn gegen seinen Hals lehnte. Er war nicht weniger nass als ich, aber die Nähe zu ihm war viel wichtiger. Ethan hatte schon immer eine ganz eigene Wärme für mich ausgestrahlt. Ich erwiderte Ethans erneuten Kuss natürlich und strich mit einer Hand über seine Wange, die nassen Haare zurück. Wahrscheinlich hätte ich noch ewig so stehen bleiben können, selbst wenn es regnete – das machte das Ganze, wie in so vielen schlechten Filmen, zwar nicht romantischer, aber ich glaube, wenn man mit dem Menschen, den man so unfassbar liebt, im Regen steht, dann ist das halb so schlimm. Und genau so ging es mir gerade mit Ethan.
Mir fiel allerdings ebenso wie ihm auf, dass wir ja noch immer, unweit vom Grab, in Rens und Kaitos Nähe rumstanden und ja, wahrscheinlich war das ein bisschen unangenehm. Aber es hatte mich bis jetzt nicht gekümmert, weil es wichtiger gewesen war, direkt mit Ethan zu reden – egal, wer dabei war. Hätte ich gewartet, hätte ich es vielleicht nie gekonnt und nicht mal der Gedanke war auch nur irgendwie erträglich. Genau genommen war er furchtbar.
Ich grinste etwas bei Ethans Worten und antwortete, nicht minder verlegen: „...das...wäre gut.“ Kurz darauf fing ich seinen Blick auf und nickte leicht. Vorher ging ich allerdings noch mal zu meinem Bruder, legte meine Stirn an seine, egal, ob er nass wurde, ich weiß, sehr liebenswürdig, und ein leises „Pass auf dich auf, ja? Besonders heute.“, murmelte und ihn dann noch einmal umarmte. Nachdem ich meinem Bruder meinen Hund wieder abgenommen hatte, schaffte ich sowas wie ein Lächeln in Kaitos Richtung und verabschiedete mich mit einem höflich-distanzierten „Bis dann.“ von ihm.
Mit meinem Hund an der Seite, kehrte ich zu Ethan zurück und wartete noch kurz, bis er sich auch verabschiedet hatte, bevor wir gemeinsam den Friedhof verließen.

Weiter in: Ethans Wohnung

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~Friedhof~
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